Durchfallen = Blamieren?
Ich bin am Wochenende auf eine Veranstaltung an der FU gestoßen, die für Examenskandidaten angeboten wird, die bereits einmal durchs Examen gefallen sind.
Ich bin natürlich noch laaaange nicht so weit, um ernsthaft über das Examen nachzudenken und als Optimistin will ich auch gar nicht erst an die Möglichkeit denken, im Examen durchgefallen zu sein.
Ich habe mir trotzdem die Ankündigung durchgelesen und ich muss sagen, das hört sich wirklich gut an!
Es geht in dem Kurs neben dem Fachlichen wohl auch darum, das Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Ich denke, es ist in der Tat mit eines der größten Probleme, dass man nach einer verhauenen Prüfung (egal ob im Jurastudium oder sonst einem Studienfach) oft komplett das eigene Können anzweifelt. Dabei ist gerade die mentale Stärke in Prüfungssituationen so wichtig.
Was man allerdings auch aus der Kursbeschreibung heraushören kann, ist, dass es anscheinend immer noch Jurastudenten gibt, die auf Durchfaller herabschauen, sodass diese sich für das Durchfallen schämen.
Das ist doch echt total schizophren! Schaut man sich mal die Durchfallquoten an, fallen durchschnittlich 30 % aller Examenskandidaten durch. Das heißt doch: Wenn man durch das Examen fällt, ist man KEIN abnormer Sonderling, der zu blöd war, um die Prüfungen mit links zu absolvieren. Und man muss sich schon gar nicht schämen!
Vielmehr ist man dann doch wohl in Gesellschaft vieler Studenten, die [Update: von denen so einige] einem – meiner Meinung nach – seltsamen Prüfungssystem zum „Opfer“ gefallen sind. Wieso sollte man sich dafür schämen? Oder ein Durchfallen als Blamage ansehen?
Es ist eine Blamage, dass einige Studenten andere Studenten anscheinend immer noch nach deren Prüfungsleistungen bewerten…
„When you judge a person, it does not define who they are. It defines who you are.“
Foto: © Helder Almeida - Fotolia.com










Kommentare
@Gast
Achso, in der Prüfungsordnung der FU steht, was konkreter im Examen rankommt!!! Man man man, das hätte mir mal jemand früher sagen sollen... Nee im Ernst, lieber Gast, du willst doch nicht sagen, dass so viele Studenten das Examen nicht bestehen, weil sie nicht ordentlich die PO gelesen haben?! Es gibt eine Menge Leute, die im Studium immer gute Noten hatten (fast alles zweistellig) und im Examen durchfallen oder wesentlich schlechter abschneiden. Und daran soll nicht das Prüfungssystem schuld sein?
Hallo Dummy, bevor ich zu
Hallo Dummy,
bevor ich zu deinen Kernaussagen komme, vorher noch folgende Bemerkung: die Inhalte der staatlichen Prüfung stehen nicht in der PO der FU, sondern in der JAO Berlin. Die FU kann Prüfungsgegenstände nur für die Schwerpunktbereichsprüfung festlegen.
Nun zum Wesentlichen, bezugnehmend auf deinen Post und den von Sarah: Ich verstehe schon genau, was euch am Prüfungssystem stört. Zum einen kann man wirklich nicht leugnen, dass Benotungen (manchmal?!) wirklich willkürlich erfolgen. Ich durfte solch eine Erfahrung in meinem Schwerpunkt machen. Ich habe mir den Allerwertesten aufgerissen für die Studienabschlussarbeit im Einkommensteuerrecht. Mein damaliger Repetitor, selber mitunter Steuerrechtsanwalt und Steuerberater, schaute gefälligkeitshalber drüber und war begeistert von der Arbeit. Bewertung? 6 Punkte. (Besten Dank an Prof. Heintzen und Prof. Schulze-Osterloh!) Ein Kommilitone von mir begann seine Arbeit wenige Wochen vor dem Abgabetermin. Fertig wurde er nicht ganz. Zitiert hatte er überwiegend die Literatur und die Rechtsprechung wurde größtenteils vernachlässigt. Ergebnis bei anderen Korrektoren? 10 Punkte. Was ich damit deutlich machen will: Glück wird leider immer eine Rolle spielen im Jurastudium, es sei denn, das 18-Punkte-System wird irgendwann mal abgeschafft.
Und zum Ablauf des Examens: 7 Klausuren so kurz hintereinander zu schreiben, ist zwar schon leider eine Art psychologischer Test, weshalb sicherlich einige Leute, die sonst gute Leistungen beweisen, versagen. Da sind wir leider im Nachteil gegenüber anderen Studiengängen, aber wenn Jura einfach wäre, dann wäre es ja BWL oder Medizin (Kleiner Scherz am Rande). Zu der Zeit, als noch das erste Staatsexamen geschrieben wurde, waren die Belastungen nicht ganz so groß. Die Ablösung durch die erste juristische Prüfung hatte mitunter einen ganz speziellen Grund, wie ich mal durch einen Aufsatz erfahren hatte, nämlich - so hart und unfair es auch klingen mag - die Trennung der Spreu vom Weizen. Der Markt ist mit Juristen überflutet. Die Anforderungen sollten steigen, die Hürden sollten größer werden. Das merkt man auch abseits, wenn man erkennt, dass nahezu sämtliche Stellenangebote sich an solche Kandidaten richten, welche zwei Prädikatsexamina vorweisen können. In meiner Praktikumszeit am Amtsgericht konnte ich meinen damaligen Mentor auch persönlich ein wenig kennenlernen und viel über seinen Werdegang erfahren. Selbstverständlich musste ich ihn nach seinem Notendurchschnitt fragen. Falls ihr jetzt aber denkt, er hatte zwei Prädikatsexamina, dann liegt ihr absolut falsch. Er war ein normaler, durchschnittlicher Student/Referendar, mit "befriedigenden" Leistungen. Verwehrt hat ihm dies damals jedoch nichts.
Noch folgende Worte an Sarah: die JAO Berlin lässt in der Tat viele Fragen offen. Doch wie schon zuvor erwähnt: alle juristischen Probleme werden wir niemals wissen können. Es ist einfach nicht machbar, alles zu wissen. Das betonte damals schon immer mein Repetitor. Unsere methodischen Fähigkeiten helfen uns in diesen Fällen genügend weiter.
Sarah, ich möchte abschließend noch anmerken, dass ich ebenfalls ein Optimist bin. Diese Einstellung war mir im Examen eine der größten Hilfen.
Beste Grüße!
In der Tat lässt es sich
In der Tat lässt es sich nicht pauschalieren, doch solch eine Einstellung zeichnet sich bei vielen Leuten ab, zumindest bei vielen meiner damaligen Kommilitonen. Die Leute sind einfach zu nachlässig und legen nicht den größten Fokus auf das Studium, sondern sehen das Studium eher als Nebensächlichkeit an und genießen vorrangig das freie Studentenleben (welches bei Jurastudenten ohnehin nur eine Illusion ist, sofern man kein Wunderkind ist oder sofern man sich nicht richtig reinhängt). Doch selbst wenn man solche Fehler begeht (ich z.B. habe mein komplettes 5. Semester schleifen lassen), so macht es spätestens dann Klick, wenn man den Ernst der Lage begreift. Sofern man den Freiversuch anstrebt, ist dies normalerweise der Moment nach den großen Übungen (oder aber nach dem Schwerpunkt, falls man diesen vor dem staatlichen Pflichtfachteil absolviert). Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen also größte Energien ins Lernen und Üben hineingesteckt werden. Und das ganze selbstverständlich mit System.
Anhand deines Beitrags erkenne ich, dass du - so wie ich - von der FU bist. Daher muss ich ferner entgegenhalten, dass der Stoff sehr wohl und ausführlich durch § 3 JAO Berlin eingegrenzt ist. Ich finde, anhand dieser Norm ist es für einen besonnenen Studenten nicht schwer, die relevanten Problemfelder zu erkennen oder zu finden. Die Prüfungsgegenstandskataloge der Länder unterscheiden sich jetzt sowieso nicht extrem, daher führt dich jedes gängige und ausführliche Lehrbuch zum Ziel (Rolf Schmidt reicht da schon aus). Und besonders relevante Entscheidungen muss man selbstständig in Erfahrung bringen.
Aber all die ganzen juristischen Probleme auswendig zu lernen, ist gar nicht das Ziel der Ausbildung. Klar, um das Lernen bestimmter Standardprobleme kommt man nicht herum, doch selbst mit Wissenslücken ist man fast immer in der Lage, Klausuren angemessen zu lösen, indem man sauber die juristische Methodik anwendet. Argumentative Spitzfindigkeit muss man natürlich auch erst trainieren und das klappt am besten, wenn man das Recht überwiegend verstanden und durchschaut hat. In meiner Freiversuchkampagne hatte ich in den Klausuren diverse für mich unbekannte Probleme. Nach besten Wissen und Gewissen habe ich mir Lösungsmöglichkeiten samt Argumentation aus den Fingern gesaugt. Es hat sich gelohnt, selbst ohne Kenntnis der relevanten Entscheidungen. Am Ende waren es zwar insgesamt 8 Punkte und damit kein VB, aber ab dem 19. April steht der Notenverbesserungsversuch an. Dieses Mal vernachlässige ich die wichtigsten letzten Entscheidungen nicht. :)
Was mich interessieren würde: du schreibst, du wärst noch keine Examenskandidatin. Wie konntest du als Prof. Martin Schwabs Veranstaltung teilnehmen? Soweit ich weiß, muss man einen Nichtbestehensbescheid vorzeigen können, um teilnehmen zu können.
na ja...
Faule Studenten gibt es sicherlich auch bei den Juristen und die dürfen sich dann natürlich nicht über das Prüfungssystem auslassen....da ist man selbst schuld....
Ich beziehe mich eher auf Leute, die wirklich immer fleißig und ernsthaft studiert haben, von Professoren ihr Können und Wissen bestätigt bekommen haben, regelmäßig zweistellige Punkte im Studium schreiben, aber dennoch durchfallen oder nur knapp bestehen.... Das kann's doch wirklich nicht sein.... Die "Eingrenzung" durch die JAO finde ich ehrlich gesagt immer noch sehr weit gefasst... Ich meine, nicht umsonst muss man sich nach dem eigentlichen Studium noch mal so ewig vorbereiten....
Und es endet ja nicht bei den Prüfungsthemen...Auch dass alle Klausuren kurz hintereinander geschrieben werden, finde ich irrsinnig... Warum in Jura keine Verteilung auf mehrere Wochen oder gar Monate? Ich kann es nur immer wieder mit meinen Erfahrungen aus dem Erststudium vergleichen. Vielleicht habe ich deshalb einen oft anderen/kritischen Blick auf das Jurastudium. Damals konnte ich meine 2 schriftlichen und 2 mündlichen Prüfungen angenehm über mehrere Wochen und Monate verteilen, sodass ich mich auf alle (insgesamt) 8 Themenbereiche einigermaßen nacheinander vorbereiten konnte....
Und ja, ich bin an der FU. Ich habe die Veranstaltung nicht besucht...Ich habe ja geschrieben, dass ich mir nur die Ankündigung (Link auf PDF im Originalartikel) angesehen habe und die Idee gut finde...
Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Glück für den Verbesserungsversuch!

Allein das Prüfungssystem
Allein das Prüfungssystem dafür verantwortlich zu machen, ist schon ziemlich low. Die Prüfungsvorbereitung erfordert insbesondere eiserne Disziplin. Uns Akademikern wird auch nichts geschenkt. Das Examen zeigt bloß, wer das Studium ernst nimmt.
Hallo Gast,
vielen Dank für deine Meinung.
Da habe ich mich wohl etwas undeutlich ausgedrückt. Ich meinte damit natürlich nicht, dass alle Studenten nur wegen des Prüfungssystems durchfallen, aber viele..... Warum werden beispielsweise die Themen nicht näher eingeschränkt? In meiner Magisterprüfung wurde mir auch nichts geschenkt, aber trotzdem hieß eines meiner Themen nicht "Politik Japans", sondern "Außenpolitische Beziehung Japans zu den USA".... Immer noch groß genug, aber zumindest greifbar....
"Das Examen zeigt bloß, wer das Studium ernst nimmt."......Das heißt, die, die durchfallen, haben das Examen nicht ernst genommen?
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